Super-Sommer

Die Ruine

Nachdem wir also hier unten mächtig aufgeräumt hatten, war wieder mal ein wenig Entspannung angesagt. Wunden lecken. Energien erneuern. Ein wenig schlafen, Sprüche lernen, neue Gegenstände untersuchen. Apropos. Vitali nutzte die Gelegenheit um seinen schicken Superheld Umhang einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und wie nicht anders zu erwarten war, stellte sich heraus dass er mit dem Umhang fliegen konnte. Ein wirklicher Superheld also. Zugegeben, man hat schon elegantere Flieger gesehen. Sein Flug wirkte etwas flatterhaft. Wie von einer Fledermaus. Und tatsächlich konnte sich Vitali auch in eine Fledermaus verwandeln. Das konnte mal sehr nützlich sein. Nicht nur zum Fliegen, auch zum Überwinden kleiner Öffnungen vielleicht. Das würde sich früh genug zeigen. Meine neuen Zauberstäbchen konnten Unsichtbar machen, Verschleiern und irgendwas Mächtiges. Allerdings waren sie natürlich alle schon gebraucht und nicht mehr vollständig geladen. Nichts, was man nicht mir sehr viel Gold ändern würde können.
Am nächsten Morgen ermittelten wir dann die Position der schwarzen Burg. Oder wir hofften dass wir sie ermitteln würden. Cart hatte dann die verantwortungsvolle Aufgabe uns dorthin zu bringen. Was soll ich sagen, es hat funktioniert. Bereits am späten Vormittag sahen wir die kläglichen Überreste der einstmals stolzen Burg vor uns liegen.
Vitali konnte es kaum erwarten seinen Umhang einem Praxistest zu unterziehen. Ein Luftraumerkundung des unbekannten Terrains schien jetzt genau das richtige zu sein. Aber, wer hätte das gedacht. Die Entäuschung war groß. Direkt nach dem Anlegen des Umhangs wurde er von einer Müdigkeitswelle durchflutet. Nur sofortiges Abnehmen desselben konnte ihn vorm Einschlafen bewahren. Ein kleine Brainstorming Runde ergab als wahrscheinlichsten Grund, dass Fledermäuse nachtaktiv sind und der Umhang nur im Dunkeln funktioniert. Wie gestern in der Höhle. Schade eigentlich. Da Carts Falke gerade in anderen Sphären unterwegs zu sein schien, schickte ich Rozi vor. Die Verbindung mit Rozi hatte sich die letzten Monate weiter intensiviert. Mittlerweile war ich sogar in der Lage mich mit ihr in ihrer eigenen Sprache, wenn auch limitiert, zu unterhalten. Das Vokabular eines Fuchses ist dann doch eher begrenzt, auch wenn es sich um eine außergewöhnlich intelligente Füchsin handelt. Rozi lief also zur Ruine, herum, hinein, und kam dann zurück um zu berichten. Die Gegend schien verlassen. Es waren keine offensichtlich gefährlichen Wesen zu entdecken. Allerdings, es gab Spuren. Viele Spuren, frische Spuren. In etwa humanoid, aber der Geruch, dieser Geruch war Rozi noch nie untergekommen. Und das obwohl wir in den letzten Monaten doch so einiges erlebt hatten und vielen Rassen, eigentlich allen bedeutenden Rassen, begegnet waren. Sehr merkwürdig. Ich weiß nicht was Ihr Magier empfiehlt, ich empfehle Vorsicht! Definitiv. Hilft eigentlich in den meisten Fällen.
Also machten wir uns auf in den ehemaligen Burghof. Allen voran Cart, um die Spuren zu sehen bevor wir sie zertreten konnten. Die Spuren, es handelte sich um ungefähr zweieinhalb Dutzend, waren humanoid mit Krallen an den Zehen. Langen Krallen wohlgemerkt. Die Größe sollte laut Cart ungefähr menschengroß sein. Eine einzige schwere Tür schien das Ziel der Spuren gewesen zu sein. Ansonsten gab es auch hier nichts besonderes. Alles war kaputt. Es gab keinerlei verdächtige Geräusche und auch Adalbert sagte, er könne nichts Böses entdecken. Also wieder einmal Standardvorgehen. Fallen suchen, Tür öffnen, reingehen und in einem Gang stehen. Alles schon mal dagewesen. Auch die nächste Tür. Damit kennen wir uns aus, wir sind ein eingespieltes Team. Dachten wir. Allerdings, während Cart sich aufrichtig bemühte keine Fallen zu finden, klopfte Adalbert laut an die Tür. Ja genau. Adalbert klopfte an! So wie er es bei seiner Mutter gelernt hatte. Immer schön freundlich. Im Prinzip … Ach lassen wir das. Die Stimmung war sofort leicht angespannt. Nachdem sich aber niemand rührte und wir dem potentiellen Gegner damit genug Zeit gelassen hatten einen ordentlichen Hinterhalt aufzubauen, durfte Adalbert auch diese Tür öffnen und wir betraten den Raum dahinter. 
Während wir uns noch vorsichtig umschauten kamen plötzlich neun wilde Gestalten aus dem hinteren Teil des Raumes durch eine Türöffnung auf uns zugestürmt. Der erste Eindruck war eher, naja, unfreundlich. Endlich wieder mal eine gute Gelegenheit meine lange vernachlässigten Illusionszauber zum Einsatz zu bringen. Bei den Untoten der letzten Tage war das ja sinnlos. Adalbert rief auch irgendwas von „böse“ und „weichet von mir“. Also dann. Aber was war das? Das konnte doch nicht sein. Die waren ja blind. Die würden meine schönen Illusionen gar nicht sehen und würdigen können. Das hatte ich so nicht bestellt. Mist. Das wirft mich jetzt völlig aus der Bahn. Aus lauter Verzweiflung beschwor ich wieder den Dachs. der mischte sich zwar sofort ins Kampfgetümmel aber nicht sehr effizient, wie ich leider zugeben muss. Aber die Gegner lichteten sich schnell, nur Zwerg hatte einen etwas zäheren Gegner. Schließlich standen wir alle im Kreis um Zwerg und den Wilden und feuerten Zwerg an. Er hatte uns zugerufen ja nicht einzugreifen. Schließlich verlor allerdings Vitali die Geduld und beendete den Kampf zugunsten von Zwerg mit einem gut geziehlten Dolchwurf. Zwerg machte keinen besonders dankbaren Eindruck, wenn ich es mir so recht überlege.
Der nächste Raum war nur eine Art Lager mit einem Durchgang geradeaus und links. Zwar ist historisch betrachtet eigentlich links immer die richtige Wahl, aber vermutlich hatte Vitali die Spiegel schon von weitem gesehen und lief deshalb geradeaus durch in den angrenzenden Raum. Er fackelte auch nicht lange und begann sofort die Spiegel nach bewährter Manier zu zerstören. Nur Rabe, Avamys und ich waren noch im Zwischenraum, als von links aus dem Seitengang eine weitere, größere Horde Wilde auf uns zustürmte. Ungefähr doppelt soviele, und nur zwei Kämpfer in der Nähe. Diesmal würde ein Dachs nicht helfen. Ich brauchte etwas mit deutlich mehr Bums. Die ersten Beiden kamen in den Raum und wurden von Rabe und Avamys abgefangen. Das war meine Gelegenheit. Ohne noch lange darüber nachzudenken setzte ich einen wohldosierten Feuerball in den Gang. Nicht zu weit vorne, so daß wir von den Flammen nichts abbekommen würden. Und siehe da. Ein Knall, ein Blitz, ein Gegener. Ich meine, von den eineinhalb Dutzend Wilden war nur noch einer übrig. Der Boss vemutlich. Das würden die Beiden jetzt bequem alleine schaffen. Kurze Zeit darauf versetzte Avamys dem blinden Barbaren den Todesstoß.
Auch wenn mich der Einsatz des Feuerballs jetzt vermutlich vor einem vorzeitigen Ende bewahrt hat, ist mir doch immer ein wenig unwohl beim Einsatz von solcher Massenvernichtungskraft. Wo sollte das noch hinführen.
Eigentlich gab es sonst nichts besonderes zu Erwähnen. Es waren wieder ein paar Spiegel zerstört. Wir fanden vier Edelsteine im Gesamtwert von nicht einmal 200 GS und nahmen die Lederrüstung des letzten Wilden an uns. Diese hatte das Feuer überlebt, wohl weil sie magisch war. Vitali würde jetzt eine bessere Verwendung dafür haben.
Achso, und dann war da noch der Gnom in der Zelle. Eine Schande für alle Gnomen und eigentlich auch nur ein Geist. Der Geist des ehemaligen Gnomenkönigs verweilte noch hier in der Zelle, in der er von Dracon eingekerkert wurde und vor vielen Jahren verstarb. Zwerg erlöste ihn und damit war auch dieses Kapitel abgeschlossen.

Die Klippen

Wie alles begann: Der Aufbruch

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