Super-Sommer

Zwei große Krieger

Irgendwie war es gut wieder unterwegs zu sein. Anscheinend gewöhnt man sich daran. Die Tage der Ruhe waren zwar nötig aber schnell zu ruhig. Die ganze Gruppe war deshalb mit einer gewissen Vorfreude und Erwartungshaltung erfüllt, als wir endlich Richtung Norden aufbrachen. Adalbert natürlich am deutlichsten. Die Reise verlief relativ ereignislos. Die bewährte Routine wurde beibehalten, Zwerg und ich waren vom nächtlichen Wachdienst befreit, dafür sorgte ich einmal am Tag für ein warmes Essen. Mit wechselndem Erfolg. Schon in eigenem Interesse würde ich das verbessern müssen. Ein magischer Kochlöffel oder so musste her. Bei Gelegenheit werde ich mal darüber nachdenken. Das Gelände wurde hügeliger und stieg leicht an. Das Wetter wurde kühler und auch feuchter. Nach ungefähr zwölf Tagen merkten wir, dass wir uns entweder verschätzt oder verirrt hatten. Es war weit und breit keine Stadt in Sicht. Aber bereits am nächsten Tag konnten wir vereinzelt Spuren von Zivilisation ausmachen und einen Tag darauf erreichten wir ein Dorf. Ein eher kleines Dorf, trotzdem gab es Unterkunft für uns alle und die willkommene Gelegenheit unsere knappen Vorräte aufzufrischen. Aufgrund des nahen Winters kamen nicht mehr allzu viele Reisende hier vorbei. Vermutlich kommen nie allzu viele Reisende hier vorbei. Aber das konnte uns ja egal sein. Nach vierzehn Tagen im Zelt war dann auch ein Dach über unseren Köpfen wieder ganz willkommen. Nicht nur wegen der deutlich gesunkenen Temperaturen. Außerdem würde ich nicht kochen müssen. Naja, ich hatte diese Aufgabe ja freiwillig übernommen und manchmal macht es ja auch Spaß. Es fehlt halt oft am Nötigsten. Eine Mikrowelle wäre schön. Aber man kann nicht alles haben, heißt es ja immer. Wir kauften also ein. Nein, keine Mikrowelle. Wärmere Kleidung, Lebensmittel und was der Reisende sonst noch so braucht. Am Abend entspannten wir uns ein wenig im Schankraum nur um am nächsten Tag die erste Überraschung seit langem zu erleben. Schnee! Ein weiterer Temperatursturz hatte uns den ersten Schnee beschert. Das war so nicht geplant. Weitere Einkäufe waren vonnöten. Wir verschoben die Abreise um einen Tag. Vielleicht auch ein wenig in der Hoffnung, der Schnee würde wieder verschwinden.
Das war natürlich reines Wunschdenken. Der Schnee war auch am nächsten Tag noch da, aber zumindest waren wir jetzt gut ausgestattet. Bis auf Cart, der nur ein Art Regencape erworben hatte, hatten wir alle warme, wasserfeste Kleidung erstanden. Das Dorf hatte innerhalb eines Tages seinen Jahresumsatz verdoppelt und erste Gerüchte kamen auf über einen geplanten Börsengang. Von hier aus würde es noch weitere sieben kalte und lange Tage dauern, bis wir endlich die Stadt erreichen würden. Immer vorausgesetzt, das Wetter würde sich nicht verschlimmern.
Wir hatten Glück, die ersten zwei Tage waren sonnig. Kalt und windig, aber sonnig. Adalbert hatte ein wenig Probleme mit seinem Helm, es war ihm zu kalt an den Ohren. Da habe ich leider keinen passenden Zauber parat. Ein provisorisch angebrachter Turban brachte nur eine geringe Linderung, machte aber optisch was her. Vielleicht wäre auch eine Karriere in der Modebranche was für mich. Ein weiterer Punkt für meine Denk-Liste. Irgendwann muss ich das alles mal abarbeiten beziehungsweise abdenken.
Um die Mittagszeit des zweiten Tages passierte es dann. Wir hörten Wölfe und Geschrei, nicht allzu weit von uns entfernt. Ein kurzer Galopp brachte uns schnell auf die Spitze des nächsten Hügels und wir sahen sie. Tatsächlich Wölfe. Sechzehn an der Zahl, das ist mehr als ein Dutzend. Ziemlich viel eigentlich. Mann nennt das wohl Rudel. Inmitten der Wölfe befand sich ein kleines Lager und zwei mächtig große und kräftige Kerle sowie zwei Pferde. Der eine war in Felle gekleidet und hielt ein gigantisches Schwert in beiden Händen. Der andere hatte sich nur eine Decke übergeworfen und suchte anscheinend etwas. Die Wölfe hatten einen Kreis gebildet und die ersten vier griffen jetzt an.
Um es kurz zu machen, es entbrannte ein heftiger Kampf. Der Krieger mit dem Zweihandschwert halbierte Wölfe zwar scheinbar mühlos, aber es waren einfach zu viele. Der andere zerrte im Laufe des Kampfes eine Zweihandaxt aus einem Bündel und war dann fast so effizient wie der erste. Trotzdem hätten sie ohne uns einen schweren Stand gegen so viele Gegner gehabt. Aber wir waren ja da. Sicher war die Begegnung vorherbestimmt. Ganz sicher.
Wenig später waren die Wölfe tot und die Krieger stellten sich vor. Was man im ersten Moment nicht sehen konnte, es waren keine Menschen. Beziehungsweise keine ganzen Menschen sondern nur halbe. Sozusagen. Es waren Halborcs. Erstaunlicherweise schien keiner meiner Gefährten ein Problem damit zu haben und so entspannte ich mich auch wieder ein wenig. Wir sind eine echte Multikulti Truppe. Die beider Halborcs nannten sich Vitali und Vladimir und waren Brüder. Außerdem hatten sie einen nicht unerheblichen Vorrat an Wodka dabei, den sie dankbar mit uns teilten. Cart lehnte aus Überzeugung ab. Kein Feuerwasser. Ich nippte bloß ein wenig, diese Art Getränk ist mir dann doch zu mächtig. Die Brüder waren ebenfalls auf dem Weg in die Stadt. Vor ein paar Tagen hatten sie einen Boten aus der Stadt Mirrandor gefunden und kurz bevor er seinen Erfrierungen  erlegen war von ihm erfahren, dass der Priester der Stadt Leute für einen heiklen, aber gut belohnten Auftrag suche. Zur Rettung der Stadt. Das hörte sich wie etwas an, dass auch uns interessieren könnte. Wir beschlossen gemeinsam nach Mirrandor zu reisen.

Drei steinerne Gebäude

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