Super-Sommer

Die Höhle im Wald

Eine Ogerspur also. Da musste ein vernünftiger Plan her. Am besten würden wir sogar erstmal einen Aufklärungstrupp losschicken. Wissen ist Macht. Wir brauchen jede Unterstützung, die wir bekommen können. Mit dieser Einstellung traf ich mich mit den Anderen um das weitere Vorgehen zu besprechen. Cart hatte gerade nochmal detailliert seine Entdeckung beschrieben, als wir schon unterbrochen wurden. Einer der als Torwachen eingeteilten Burgbewohner kam hereingestürzt und rief aufgeregt nach einem Heiler. Vor dem Tor liege ein Schwerverletzter. Wie ein geölter Blitz verschwand Zwerg in Richtung Burgtor. Wir anderen folgten zügig aber geordnet. In der Ruhe liegt die Kraft. Als wir den Verletzten erreichten, hatte Zwerg schon das nötigste getan. Es ist immer von Vorteil, einen Priester in der Nähe zu haben, der sich auf die Heilkunst versteht. Ein kräftiger Heilzauber und ein paar saubere Verbände waren ausreichend. Die tiefen Wunden, von langen scharfen Krallen verursacht hatten sich bereits zum größten Teil wieder geschlossen. Der Mann würde überleben, vielleicht nicht unbeschadet und nicht ohne Narben, aber immerhin überleben. Durch Zwerg soweit stabilisiert und in offensichtlich freundlich gesinnter Umgebung war es dann auch möglich, Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Der schon etwas ältere Mann war in Begleitung von neun anderen Menschen auf dem Weg nach Ávangurta. Nicht weit von hier wurden sie dann vom Teufel selbst überfallen. Ein wilde Bestie mit gräßlicher Fratze, glühenden Krallen, scharf wie Klingen aus Sambuka, Reißzähnen von denen Gift tropfte und Augen die so hell glühten, dass der Wald selbst in Flammen aufging. Er wusste nicht mehr, wie er es geschafft hatte dem Monster zu entfliehen aber er war sich sicher, alle anderen waren tot. Zerfetzt von der Bestie aus den sieben Höllen. Offensichtlich hat Zwerg hier keinen Breitbandheilzauber eingesetzt, sondern sich nur auf die klaffenden Wunden konzentriert. Dieser Mann war ja völlig verstört. Sicher, seine Wunden waren tief und blutig. Auch zahlreich. Aber Verbrennungen hatte er keine. Und ein Teufel hätte ihn sicher auch nicht entkommen lassen. Es sei denn, dahinter steckt ein teuflischer Plan. Um darüber großartig nachzudenken blieb jetzt aber keine Zeit, ergo kein Eintrag in der Liste. Niemand aus unserer Gruppe konnte die Verletzungen eindeutig identifizieren, die Vermutungen gingen aber eher in Richtung Raubkatze denn Teufel. Möglicherweise die Schreckensvariante eines Schneeleoparden. Wir mussten das herausfinden. Wenn wir gegen die Oger antreten wollten, wäre ein weiterer unbekannter Feind im Rücken eher unangenehm, vorsichtig formuliert. Cart und die Brüder Vitali und Vladimir erklärten sich bereit nach Überlebenden zu suchen und dabei herauszufinden, was oder wer für den Überfall verantwortlich ist. Wir anderen blieben zurück und bereiteten uns soweit möglich auf das vor was kommen würde.
Was dann kam waren V und V. Ich meine, sie kamen alleine zurück. V und V waren zusammen mit Cart ungefähr eine halbe Stunde gelaufen bis sie den Platz des Überfalls erreicht hatten. Nicht zu schnell und einigermaßen vorsichtig, um nicht selbst Opfer eines Hinterhalts zu werden. Tatsächlich fanden sie neun schrecklich verstümmelte Leichen. Ein wahres Gemetzel. Den Spuren nach zu urteilen hatte die Gruppe es nur mit einem Gegner zu tun. Lange scharfe dolchartige Krallen hatten ganze Arbeit geleistet und den Leuten kaum eine Chance gelassen. Merkwürdigerweise konnte Cart die Spuren des Monsters zwar auf dem Kampfplatz deutlich ausmachen, allerdings nicht außerhalb. Es gab weder eine Spur zum Schlachtfeld hin, noch eine davon weg. Das Monster konnte offenbar fliegen. Das war zumindest die naheliegenste Erklärung. Ein Teufel hätte sicher noch andere Möglichkeiten. Zwischenzeitlich nahmen V und V die Wertgegenstände der Opfen an sich, damit sie nicht in falsche Hände, sondern in unser Gruppenvermögen gerieten. Auch das gab natürlich einen weiteren Hinweis auf den Gegner. An schnödem Mammon war er offenbar nicht interessiert. Auf der Suche nach den Spuren des Monsters wagte sich Cart immer tiefer in den Wald und plötzlich entdeckte er wieder einmal Ogerspuren. Nachdem es auf dem Schlachtfeld nichts mehr zu retten gab beschloß unser Aufklärungstrupp den Spuren zu folgen. Nach einiger Zeit erreichten sie einen Höhleneingang, in dem die Oger verschwunden waren. Kurzerhand schickte Cart die Brüder zurück um den Rest unserer Truppe zu holen, er würde solange die Höhle beobachten. Und schon waren sie hier bei uns und versuchten uns zur Eile anzutreiben. Außerdem sollten wir jeder etwas frisches Feuerholz mitnehmen, um die Oger auszuräuchern.
Wegen des möglicherweise noch umherstreunenden „Teufels“ und der Menge an Feuerholz waren wir ziemlich lange unterwegs, bis wir endlich die Höhle und Cart erreichten. Er hatte es sich wider Erwarten in einem Busch bequem gemacht. Die Bäume seien voller Schreckenseulen, sagt er zur Begrünndung. Auch das noch. Dann fragte er nach den langen Holzstangen, mit denen wir das Feuer tief in die Höhle schieben würden können. V und V „flüsterten“ aufgebracht, von Stangen sei nie die Rede gewesen. Während sich hier eine heftige Diskussion um Stangen und brauchbare Alternativen entspann, begannen einige das Feuerholz vor der Höhle aufzuschichten. Ich selbst behielt die Höhle im Auge. So taub konnten die Oger doch gar nicht sein. Es sei denn die Höhle führte richtig tief in den Berg. Aber nein, plötzlich hörte ich hastige, schwere Schritte aus der Höhle. Schnell erzeugte ich die Illusion einer massiven Wand vor dem Höhleneingang, die Oger jedoch waren offenbar zu dumm, diese zu erkennen. Sie stürmten einfach schreiend durch meine Illusion. Ich konnte gerade noch rechtzeitig die Illusion in eine zerbrechende Mauer ändern. Auch das Geräusch einer zerschmetterten Wand und der Geruch von Steinstaub ist mir wirklich gut gelungen, hat aber die Oger nicht wirklich beeindruckt. Schade.
Während Zwerg, Rabe, Adalbert und Avamys sich sofort im Nahkampf auf die zwei erschienenen Oger warfen, griffen Cart, Jacques sowie V und V erstmal zu den Bögen. Kluge Entscheidung, rund um die Oger war es auch plötzlich etwas eng geworden. Trotzdem, das war jetzt die Gelegenheit endlich mal ein Monster zu beschwören. Das hatte ich schon immer mal ausprobieren wollen. Da ich mir aber über den Ausgang nicht im Klaren war bis jetzt lieber gelassen. Zur Zeit sah es allerdings so aus, als hätten wir die Lage im Griff. Also Zeit für Experimente. Wie ging das noch gleich? Ein Celestischer Dachs vielleicht? Also bitte schön. Ein leicht metallisch glänzender Dachs erschien direkt vor mir und stürzte sich sofort mit unverhohlener Wut auf den ersten Oger und biß ihm ins Bein. Treffer! Leider nicht versenkt. Ich befürchte, der Oger hat den Kratzer nicht mal wahrgenommen. Das reichte also nicht. Vielleicht wenn man die Zähne vergiften könnte?
Als seien zwei Oger nicht genug, tauchte plötzlich direkt vor Avamys eine schaurige Gestalt auf. Ein scheinbar menschliche alte Frau. Ausgesprochen häßlich und verwahrlost mit böse blitzenden Augen und Fingernägeln wie Krallen. Wie eine Furie stürzte sie sich in den Kampf, kratzend und beißend. Ich hatte darüber gelesen. Das musste eine sogenannte Vettel sein. Bösartige magisch bewanderte Kreaturen. Jetzt war Eile angesagt bevor sie irgendeinen Fluch wirken konnte.
In dem Moment, als der erste Oger fiel, griff Jacques zu seinen Schwertern stürzte in Richtung der Vettel und begann laut zu rezitieren:

Ein begnadeter Barde aus Zald
begegnete n’er Alten im Wald
 er griff nach n’em Zettel
 Schrie „Bettel du Vettel“
und sah darauf aus, ganz schön alt.

Falscher Reim du Idiot! Was tut der da? Die Quittung kam postwendend. Vermutlich abgeklenkt durch seine Reimerei wich Jacques nicht schnell genug aus, als sich die Vettel wutentbrannt auf ihn stürzte. Sie umklammerte den vorwitzigen Reimer und biß ihm in den Hals. Das Blut spritzte und Jacques erschlaffte in der Umarmung des garstigen Wesens. Dazu fiel mir nur ein:

Ein verwirrter Reimer aus Zald
wollte berühmt sein gar bald
 ne Vettel, die traf er
 vergriff sich im Ton sehr
Jetzt liegt er verblutet im Wald.

Es gibt Leute, die sollte man einfach nichts alleine machen lassen. Seufz. In der Zwischenzeit hatte Zwerg den stark angeschlagenen Möchtegern-Paladin wieder aufgepäppelt, der daraufhin völlig übermotiviert den zweiten Oger erschlug. Na also, geht doch.
Mit vereinten Kräften gelang es uns dann, die Vettel zu besiegen und unseren komatösen Kameraden aus der Umarmung zu befreien. Er hatte viel Blut verloren. Zwerg musste sich mächtig ins Zeug legen um ihn noch zu retten. Ich habe keine Ahnung, was er seinem Gott alles versprochen hat und will es auch gar nicht wissen.
Dieses Trio hatte unserer kleinen lustigen Schar gar übel mitgespielt und die Ausbeute war gering. Ein paar Goldstücke, so in etwa 400 und zwei riesige, überraschenderweise magische Keulen. Die würden nur V und V benutzen können und dann beidhändig. Immerhin, mit magischen Waffen waren wir nicht gut ausgerüstet, also mitnehmen. Die Vettel hatte noch ein magisches Amulett. Das hatte allerdings eine so starke böse Austrahlung, dass wir es später in der Burg zerstörten. Zu guter Letzt mussten wir uns leider auch eingestehen, das weder die Oger noch die Vettel das Gemetzel an den Reisenden verursacht hatten. Das gleiche galt für das schleichende Übel. Die Vettel hatte eine eindeutig böse Aura, aber nicht vergleichbar mit dem Gefühl das mich nachts überkommt, wenn das schleichende Übel in der Nähe der Burg ist. Wir hatten eine Schlacht gewonnen, aber der Krieg hatte noch gar nicht begonnen.
Auf dem Rückweg jammerte uns Adalbert dann die Ohren voll. Er sei stark verletzt, niemand kümmere sich richtig um seine Wunden, er brauche dringend einen Helm, und so weiter und so fort. Heulsuse! Er sollte sich mal eine Beispiel an Jacques nehmen. Der stirbt ständig, verliert aber keinen Reim darüber. Wir hätten ihn vermutlich auch gleich wieder erschlagen. Man stelle sich nur vor:

Ein mutiger Barde aus Zald
kämpfte wie ein Held bis er fallt
 die Wunde macht au
 blutet wie Sau
Zu Hilfe, sonst wird er nicht alt.

Das würde auf Dauer keiner aushalten. 
Nachdem wir über unser Abenteuer im Schankraum ausführlich berichtet und ausreichend Lob und Bewunderung geerntet hatten begaben wir uns zur wohlverdienten Nachtruhe.
Die Burg hatte zur Zeit ungefähr 70 Bewohner, davon waren etwa 30 im Kampf und als Wache eingesetzt werden. Diese Nacht ohne uns. Die Nacht war vermeintlich ruhig.
Am Morgen dann die Überraschung. Vier der Wachen am Tor und auf der Mauer waren hingemetzelt worden. Teuflisch!

Das Grauen im Netz

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