Super-Sommer

Der Turm

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Adalbert hat so etwas wie Einsicht gezeigt, dass seine bisherige Verhaltensweise vielleicht doch nicht so ganz in Ordnung war. Einige zaghafte Andeutungen in dieser Richtung lassen auf Besserung hoffen. Ansonsten war er in einer eher grüblerischen Stimmung. Sehr angenehm im direkten Vergleich zu seiner Nörgelei.
Wir hatten die Nacht im Turm verbracht. Nachdem wir alles bis auf Kleinste durchsucht hatten und weder Schätze (schade) noch Monster (gut) finden konnten, bot sich der Turm als Lager geradezu an. Das Turmzimmer war bis auf die Spiegel und das Bett sowieso leer. Die Spiegel beobachtete ich ganz genau. Die Dämmerung in den Spiegeln setzte genau zur gleichen Zeit ein wie bei uns. Das ließ mich vermuten, dass eine wirklich Gegend gezeigt wurde, die sich auch noch in unsere Nähe befand. Ein wenig weit hergeholt, zugegeben, eine genauere Untersuchung war hier angebracht. Aber bevor ich mich überhaupt weiter um die Spiegel und ihre magischen Eigenschaften kümmern konnte geschah es schon. Gleich nach dem Frühstück. Jacques besah sich die Spiegel ganz genau und plötzlich, ohne Vorankündigung trat er durch den Spiegel, der den schwarzen Turm zeigte und verschwand. Naja, nicht ganz. Bei genauem Hinsehen konnte man ihn jetzt im Spiegel vor dem Turm stehen sehen. Er winkte. Interessant. Einen ähnlichen Effekt erlebten wir ja zum ersten Mal in der Kammer des Wissens. Hier konnte man wenigstens sehen, wo man herauskam. Vielleicht. Möglicherweise war Jacques jetzt auch in dem Spiegel. Es gab nur eine Möglichkeit. Oder? Ich schnappte mir mein Bündel und folgte Jacques in den Spiegel.
Irgendetwas hatte ich vergessen, aber was? Egal. Faszinierend. Ich stand neben Jacques auf einem Hügel nur wenige hundert Meter von dem schwarzen Turm entfernt. Die tiefe Schwärze hob sich bedrohlich von den mystischen Lichteffekten ab, die die Morgensonne in den Nebelschwaden hervorbrachte. Die Gegend schien verlassen zu sein.
Während Jacques bereits, leise irgendwelche Verse rezitierend, in Richtung Turm tänzelte, überdachte ich kurz die Situation. Anhand der größeren Landmarken, sprich Berge im Hintergund, Wetter, Klima, weiblicher Intuition und vorsichtigem Nachfragen beim Spielleiter vermutete ich, dass unsere derzeitige Position ungefähr 15km vom magischen Baum entfernt war. Mmmh. Vielleicht war ich etwas zu spontan gewesen. Würden die Gefährten nachkommen? Vermutlich, schließlich hatte ich einen Teil der Beute bei mir. Plopp! Da waren sie auch schon. Es gab ja auch keine richtige Möglichkeit zu kommunizieren. Mobilfunk wäre nicht schlecht. Ich werde mal darüber nachdenken müssen. Habe ich ja schon länger nicht mehr gemacht. Aber das hatte Zeit bis später.
Die Gefährten bemerkten das Wesentliche, dass mir bis jetzt entgangen war, jedenfalls sofort. Wir hatten die Pferde noch beim Baumturm. Ich war wohl tatsächlich etwas zu spontan gewesen. Nach einigem hin und her liefen Cart, Vitali und Jacques -der die Diskussion bemerkt hatte und zurückgekommen war- in Richtung Baumturm los. Wir anderen untersuchten derweil die nähere Umgebung. Nichts. Keine Spuren. Ziemlich verlassene Gegend. Ein paar Stunden später kamen die anderen mit den Pferden zurück. Nach einem kleinen Imbiss widmeten wir uns dann endlich dem Turm. Hatte ich schon erwähnt, das er schwarz war? So grob 8m Durchmesser.
Cart kümmerte sich um die Tür. Generell suchen Cart und Zwerg immer nach den üblichen Fallen für solche Gebäude und tatsächlich findet Cart auch eine ziemlich üble Feuerfalle. Glück gehabt. Die hätte uns mächtig eingeheizt. Innen jedenfalls war der Turm offensichtlich viel größer als außen. Wir entdeckten eine ganze Reihe leerer Zellen, Folterkammern, Geheimtüren, was das Herz eines jeden Abenteurers begehrt. Äh. Oder waren das eher die Barden? Abenteurer sind ja mehr auf Schätze aus. Immerhin fanden wir auch wieder Blechrüstungen. Die teure Variante. Einige ziemlich alte Schilde von merkwürder Machart und gleich drei magische Zweihandschwerter. Die kleine Variante. Zwei davon gingen an Vitali und eines an Rabe. Und dann war da noch die belebte Rüstung, die uns in einem der Gänge angriff. Wieder mal was Untotes. Wieder das übliche, ein Gemetzel. Am Ende erlegte ich das Monster persönlich. Die Rüstung war unbrauchbar. Aber das Monster hatte noch so eines von diesen Schwertern. Auch gut.
Und dann war da noch diese Grube. Gefüllt mit einer klebrig grünen biogenen Masse. Hinter der Grube führte eine Treppe nach oben auf einen Balkon. In der Grube, auf der Masse befanden sich Käfer. Große Käfer. Viele Käfer. Hungrige Käfer?
Und jetzt?

Die Kapelle

Wie alles begann: Der Aufbruch

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